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Lesetipp - Buchebsprechung

Buchbesprechung von Annemarie Berg

Die amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Greta Gerwig hat einem Kinderbuchklassiker des 19. Jahrhunderts zu großer Aufmerksamkeit und weltweitem Interesse verholfen. Ihre Verfilmung von „Little Women“ ist vor einigen Wochen in die Kinos gekommen und mit so viel Lob und Anerkennung überschüttet worden, dass ich es kaum erwarten kann, den Film zu sehen.

Denn „Kleine Frauen“ hat einen besonderen Platz in meiner Buchsammlung. Auf einer Kommode neben meinem Bett habe ich meine „Kitschecke“ eingerichtet. Bücher, die literarisch nicht besonders anspruchsvoll sind, mir aber so viel bedeuten, dass ich sie gern nah bei mir haben möchte.

Wenn ich als Kind spürte, ich bedürfte mal wieder der moralischen Aufrüstung, lief ich hurtig zur Bücherei und hoffte sehr, dass es im Regal stand: Kleine Frauen.

Wenn ich die Geschichte von Meg, Jo, Betty und Amy zum x-Mal gelesen hatte, fühlte ich mich einfach besser und beschloss, ein gutes Mädchen zu werden. Die vier Geschwister March, Töchter eines Pastors, der im amerikanischen Bürgerkrieg Soldaten betreute, lebten mit ihrer Mutter und der getreuen Dienerin Hannah in einem gebildeten, aber armen Haushalt. Meg, die Vernünftige, Jo, die Rebellische, Betty, die Sanfte und Amy, die Eitle – welche wollte ich sein? Jo schrieb Geschichten, benahm sich oft wie ein wilder Junge, Meg verliebte sich in den Hauslehrer, Betty wurde schwer krank und starb früh, Amy hatte ständig Ärger wegen ihrer Eitelkeit. Aber sie bekam Laurie, den reichen Nachbarsjungen. Die vier Mädchen gehörten zu meiner Kinder- und Jugendzeit einfach dazu.

Erst viel später erfuhr ich mehr über Louisa May Alcott, die sich für Frauenrechte und das Frauenwahlrecht einsetzte und für die Abschaffung der Sklaverei engagierte.

Im Haus ihres Vaters waren Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau zu Gast, Nathaniel Hawthorne und Margaret Fuller.

1868 erschien der erste Band „ Little Women“, 1869 folgte „Good Wives“ : Louisa May Alcott verarbeitete viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen in ihrer Familie in diesen Büchern. Als erste Frau ließ sie sich in Concord als Wählerin registrieren.

Sie starb im März 1888 im Alter von 55 Jahren.

Ihre Werke gehören zu den erfolgreichsten Jugendbüchern der englischsprachigen Literatur. Sie wurden in 27 Sprachen übersetzt und werden bis heute immer neu aufgelegt. Das Besondere an ihren Werken: Sie vertrat explizit die Möglichkeit für Frauen, nicht zu heiraten und dauerhaft einer Berufstätigkeit nachzugehen, was für das 19. Jahrhundert ziemlich ungewöhnlich war.

„Little Women“ ist schon öfter verfilmt worden mit so namhaften Schauspielerinnen wie Katherine Hepburn und Elizabeth Taylor. Zuletzt spielten Susan Sarandon und Winona Ryder die Hauptrollen.

Ich bin sehr gespannt, was Greta Gerwig aus dem Stoff gemacht hat und wie ich heute als Seniorin.

Jo, Meg, Amy und Betty wahrnehme. Meryl Streep in der Rolle der Tante March ist sicher ein besonderes Vergnügen.

Louisa May Alcott
Betty und ihre Schwestern
Kleine Frauen
Verschiedene Verlage, zum Teil neu übersetzt


Buchbesprechung von Annemarie Berg

„ Ich bin hier, um mich zu erinnern – an alles, was ich gewesen bin und alles, was ich nie wieder sein werde…..“ Der 84jährige Maurice Hannigan sitzt an der Bar eines Hotels, das in seinem Leben eine besondere Rolle gespielt hat. Seine Koffer sind gepackt, seine Angelegenheiten geordnet, er hat sich für diese Nacht die Hochzeitssuite reservieren lassen. Am nächsten Tag wird er in ein Pflegeheim ziehen. Seine Frau ist vor einigen Jahren gestorben, sein Sohn lebt weit entfernt und er war immer ein Mensch, der die Dinge nüchtern und realistisch betrachtet hat.

In dieser Nacht will er einen Toast ausbringen auf die fünf Menschen, die in seinem Leben eine besondere Rolle gespielt haben. Er wählt die Getränke sorgfältig aus und erinnert sich:
An seinen älteren Bruder Tony, an seine Tochter, die nur wenige Stunden lebte, an seine Schwägerin Norreen, die als Katalysator in einer besonderen Situation wirkte, an seinen Sohn und vor allem an Sadie, seine Frau.

Maurice hat es geschafft, vom Sohn einer armen Familie, die als Bedienstete bei einer reichen Familie ihr Leben fristen mussten, zu einem wohlhabenden Geschäftsmann. Aber er hat auch einen Preis dafür gezahlt….

Anne Griffin hat mit ihrem Erstlingswerk ein kleines Juwel geschaffen – ein Buch, das bewegt, weil es eine außergewöhnliche Geschichte erzählt. Eine Goldmünze spielt dabei eine wichtige Rolle und welche Rolle diese Münze im Leben zweier Menschen spielt, ist ein ebenso verblüffender wie anrührender roter Faden, der sich durch das Buch zieht.

Am Ende hatte ich den Wunsch, mit einem Glas irischen Whiskeys einen Toast auf Maurice auszubringen, der uns so anrührend und ehrlich von seinem Leben erzählt.

Anne Griffin

Ein Leben und eine Nacht Kindler


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